Die Grading-Industrie steht aktuell unter enormer Beobachtung – und nicht nur innerhalb der Sammler-Gemeinde. Nachdem die Muttergesellschaft von PSA (Professional Sports Authenticator) angekündigt hat, mit Beckett einen weiteren großen Wettbewerber zu übernehmen, sind Kartensammler, Händler und sogar Politiker alarmiert. Diese Entwicklungen könnten langfristige Konsequenzen für die gesamte Branche haben.
Was ist passiert? Die Firma Collectors, ein führender Anbieter von Grading- und Marktplatz-Dienstleistungen im Sammelmarkt, hat offiziell bestätigt, dass sie Beckett übernehmen wird. Beckett ist seit Jahrzehnten ein bekannter Name unter Sammlern – sei es durch Grading, Preisführer, Magazine oder Community-Veranstaltungen. Laut der offiziellen Ankündigung wird Beckett weiterhin als eigenständige Marke innerhalb des Collectors-Portfolios geführt, inklusive eigener Standards und Kundenservices.
Die Nachricht wirkte auf den ersten Blick positiv: Beckett bleibt bestehen, die Preise sollen laut Unternehmen unverändert bleiben und Submissions sollen normal abgewickelt werden. Doch diese strategische Konsolidierung hat eine viel größere Welle ausgelöst als nur eine neue Überschrift.
Politischer Druck: Pat Ryan fordert FTC-Untersuchung
Nur wenige Tage nach der Ankündigung wandte sich der US-Kongressabgeordnete Pat Ryan mit einem offenen Brief an den Vorsitzenden der Federal Trade Commission (FTC), um eine offizielle Untersuchung wegen möglicher Wettbewerbsverstöße zu fordern. Ryan argumentiert, dass durch die Übernahmen von PSA (seit 2021), SGC (im Februar 2024) und nun Beckett, Collectors mehr als 80 % des Grading-Marktes kontrolliert – und damit de facto die Konkurrenz ausgeschaltet hat.
Sein Schreiben nennt mehrere Punkte, die die FTC prüfen sollte:
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Ob Collectors die Unternehmen gezielt aufgekauft hat, um die Konkurrenz zu eliminieren.
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Ob das Vorgehen systematisch Wettbewerbsrechte verletzt.
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Ob die enge Verbindung zwischen Grading-Kapazität, Preisdaten (z. B. über Plattformen wie CardLadder) und dem eigenen Handel mit gegradeten Karten zu Interessenkonflikten führt.
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Wie diese Marktposition Preisbildung, Service-Qualität und Zugang für neue Wettbewerber beeinflusst.
Ryan bezeichnet die mögliche Monopolisierung als ethisch fragwürdig und potenziell schädlich für Sammler, lokale Händler und die Hobbylandschaft insgesamt.
Diese Reaktion ist bemerkenswert, weil sie einen Bereich betrifft, der normalerweise als Nischenmarkt gilt: Sammelkarten und Grading-Services. Doch in den letzten Jahren hat sich dieser Sektor zu einem milliardenschweren Markt entwickelt, in dem ein einziger Grading-Punktwert oft Zehntausende Dollar und mehr Unterschied im Wert eines Objekts bedeuten kann. Das macht den Prozess der Bewertung extrem wichtig – und extrem sensibel, wenn es um Marktmacht und Wettbewerb geht.
Auswirkungen auf die Grading-Branche
Was bedeutet dieser Trend für Sammler, Händler und andere Grading-Anbieter? Die mögliche Monopolisierung hat mehrere direkte und indirekte Konsequenzen:
1. Weniger Wettbewerb = weniger Auswahl für Sammler
Wenn drei der größten Grading-Dienstleister (PSA, SGC und Beckett) unter einem Dach operieren, bleiben nur wenige echte Alternativen für Sammler. Der einzige größere unabhängige Anbieter wäre dann noch CGC, das aktuell als zweitstärkster Wettbewerber gilt.
2. Preis- und Service-Kontrolle
Ein Markt mit dominierendem Anbieter könnte langfristig zu höheren Preisen, längeren Bearbeitungszeiten und weniger Kundenvorteilen führen, da der Wettbewerbsdruck sinkt. Schon jetzt beklagen viele Sammler bei PSA längere Turnaround-Zeiten und steigende Gebühren, ein Thema, das in Fachkreisen seit Jahren diskutiert wird.
3. Vertikale Integration und Interessenkonflikte
Collectors ist nicht nur im Grading aktiv: Das Unternehmen besitzt auch Preis-Analytics-Tools, Marktplätze und Handelsplattformen. Das schafft eine Situation, in der dieselbe Firma Daten über Marktpreise besitzt, Karten bewertet und auf dem Sekundärmarkt verkauft. Kritiker sehen darin ein Risiko für Marktmanipulation und „self-dealing“, bei dem ein Unternehmen seinen eigenen Gewinn über faire Bewertung und Preisbildung stellt.
4. Barrieren für neue Anbieter
Mit einer so starken Marktposition wird es für neue Grading-Firmen schwieriger, Fuß zu fassen. Die eingeschränkte Verfügbarkeit von qualifizierten Gradern, technische Infrastruktur und Marktzugang könnten neue Wettbewerber abschrecken – und so den Markt weiter konzentrieren.
Ein Wendepunkt für das Sammelkarten-Hobby
Die jüngsten Entwicklungen im Grading-Markt zeigen, dass dieser Bereich längst nicht mehr nur eine „Verifizierungsdienstleistung“ ist, sondern ein zentraler Bestandteil der gesamten Sammelkarten-Ökonomie geworden ist. Die Übernahme von Beckett durch Collectors, die anschließende politische Reaktion durch Pat Ryan und die Forderung nach einer FTC-Untersuchung markieren einen potenziellen Wendepunkt für die Branche.
Sammler, Händler und Investoren sollten diese Entwicklungen genau verfolgen. Ein Markt, der von wenigen Akteuren kontrolliert wird, kann zwar Effizienzgewinne bringen, gleichzeitig aber Wettbewerb, Fairness und langfristige Stabilität gefährden. Für viele Beteiligte stellt sich deshalb die Frage: Ist das noch Wachstum oder schon Konzentrationsrisiko?
Und je nachdem, wie die Untersuchung verläuft, könnte die Zukunft des Grading-Marktes ganz anders aussehen – mit mehr Wettbewerb, mehr Auswahl oder vielleicht sogar mit staatlicher Regulierung.
Bleib dran – wir halten dich auf Grading.net über die neuesten Entwicklungen auf dem Laufenden.
